Geologie der Quelle
Baden hiess zur Römerzeit Aquae helveticae und wurde wegen seiner heissen Quellen vor allem vom nahen Vindonissa (Windisch) gerne aufgesucht. Auch als Tagsatzungsort der Eidgenossenschaft (1425-1712) blühte der Kurort. Beim lockeren Badeleben konnten sich wohl die von der Politik erhitzten Gemüter wieder besänftigen.
Das hier in 19 Quellen gefasste Thermalwasser ist nämlich sehr speziell und darf zu Recht als Naturphänomen bezeichnet werden. Alle Quellen zusammen liefern durchschnittlich 700 Liter rund 47°C heisses, stark mit Mineralien angereichertes Grundwasser, pro Tag also ca. 1 Million Liter!
Querschnitt (Für eine grössere Ansicht bitte auf das Bild klicken.)
Trotz intensiver Forschung sind noch nicht alle Geheimnisse um das Thermalwassersystem von Baden-Ennetbaden gelöst. Die Quellfassungen liegen entlang von tektonischen Linien beidseits der Limmat, es sind aber auch direkte Quellaustritte in die Limmat bekannt. Die Quellen hängen eng zusammen, Eingriffe bei den einzelnen Quellfassungen wirken sich sofort auf die übrigen aus.
Die Geologie von Baden
Die Geologie von Baden/Ennetbaden ist recht vielfältig und steht in enger Wechselwirkung mit der Entwicklung dieser beiden Gemeinden. so steht die im 11./12. Jahrhundert erbaute Burg- und Wehranlage Stein erhöht auf steil gestellten Schichten der Lägern, worunter die Geologen den östlichsten Ausläufer des Faltenjura verstehen.
Sein Pendant auf der gegenüberliegenden Limmatseite finden wir heute im Aussichtsrestaurant "Schloss" Schartenfels. Dazwischen liegt die Limmatklus. Das alte, tief in den Fels eingeschnitte Limmattal wurde in der letzten Eiszeit durch Kiese und Sande eingefüllt, sog. Niederterrassenschotter. Dieses Schotterplateau bot einen günstigen Baugrund für die Entwicklung der Stadt Baden.
Am Hang von Ennetbaden sind die Felsschichten des Faltenjura kompliziert verfaltet und von Störungen durchzogen. Die Kern- und Bäderumfahrung verläuft im intensiv verschuppten Kernbereich der Lägernstruktur (vgl. Profil) und in unmittelbarer Nähe der natürlichen Thermalwasseraustritte von Baden/Ennetbaden, wo weiche und verwitterungsanfällige Gesteine an die Oberfläche steigen, die zum Opalinuston, Lias und Keuper gehören. Die wenig gestörte, nach Süden abfallende Schichtplatte der Lägernkette ist im südlichen Tunnelabschnitt (Schulhaus bis Grendel) zu erwarten, wobei die Felsoberfläche im Bereich der späteren Fahrbahn oder wenig darunter verläuft.
Thermalwasserträger
Die als Thermalwasserträger fungierenden, karbonatischen Gesteinsserien des Hauptmuschelkalk und der darüber folgenden Lettenkohle werden durch den Tunnel nicht tangiert.
Querprofil mit Tunnel (Für eine grössere Ansicht bitte auf das Bild klicken.)
Von besonderer Bedeutung sind die Ton- und Sulfatgesteine des Gipskeupers. Diese sind ausgesprochen stark verwittert, der Gips ist bis in grosse Tiefen ausgelaugt. Es sind sogar Dolinen nachgewiesen, die teilweise oder vollständig mit Lockergesteinsmaterial verfüllt sind.
© Beat Rick, Dr. von Moos AG, Zürich

