2000 Jahre Badekultur
Das Badener Bäderquartier mit seiner mindestens 2000jährigen Geschichte als Badekurort ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Stätten in der Schweiz.
Spätestens seit der Römerzeit wurden die hiesigen Thermalquellen gefasst und zu Heilzwecken genutzt. Vom Mittelalter bis ins 20. Jh. blühte die Badekultur erneut und zahlreiche bedeutende und illustre Persönlichkeiten aus der ganzen Welt verbrachten ihren Kuraufenthalt in Baden.
Noch heute lebt hier im Bäderquartier die uralte Tradition des Heilbades weiter – und sie soll auch in die Zukunft getragen werden.
Lesen Sie dazu den Artikel
Der
Geschichte auf der Spur
,
erschienen in der Aargauer Zeitung, 3. Mai 2009.
Archäologische Untersuchungen 2009-2011
Öffentliche Informationen und Grabungsführungen
Die Kantonsarchäologie Aargau informiert laufend vor Ort und bei besonderen Funden via Medien über den Fortschritt und die Resultate der Grabungen.
Auf öffentliche Führungen und Besichtigungsmöglichkeiten wird frühzeitig vor Ort und in der Presse hingewiesen.
Auf Anmeldung bei der Grabungsleitung sind Führungen für Gruppen und Schulklassen möglich.

Sara Buchheim, Restauratorin der Kantonsarchäologie, bei der Untersuchung von Wandmalereien im 1. Obergeschoss des Bären.
Foto: Kantonsarchäologie Aargau.
Vergangenheit bereitet den Weg in die Zukunft
Die archäologischen Untersuchungen sollen nicht nur die bewegte und grosse Vergangenheit des Bäderquartiers weiter erhellen und die Erinnerung bewahren, sie stellen auch den ersten Schritt in die Zukunft und damit zur Erhaltung der einzigartigen Tradition von über 2000 Jahren Badekultur an diesem kulturhistorisch so bedeutenden Ort dar.
Voraussichtlicher zeitlicher Ablauf der Untersuchungen:
- Frühling bis Sommer 2009: Bauuntersuchungen in den traditionsreichen Badehotels „Verenahof“, „Ochsen“ und „Bären“.
- Anfang Juni 2009 bis Herbst 2010: Flächengrabung im Areal des einstigen „Hinterhofes“. Kleinere Sondierungen und Untersuchungen betreffen die Gartenareale der Dependancen von „Ochsen“ und „Bären“.
- 2010: Weitere Grabungen im Bereich des Parks im Limmatknie und der Parkstrasse. Umfang abhängig von der geplanten Überbauung.
- 2010/2011: Abbruch- bzw. Baubegleitung des Rückbau der Bauten des Römerbades, des Thermalbades, des „Staadhofs“ und der Trinkhalle. Dabei allenfalls zum Vorschein kommende Ruinen früherer Bauten werden dokumentiert.
- Während der gesamten Bauzeit werden ausserdem alle weiteren Bodeneingriffe wie z. B. der Aushub von Leitungsgräben archäologisch begleitet.
Mehr: Archäologische Untersuchungen im Bäderquartier 2009-2011 ![]()
Übrigens:
Die archäologische Seite des Verenahofs informiert Sie laufend über die neusten Funde - nicht verpassen!
Der Hinterhof – einst das erste Haus am Platz
Der Hinterhof befand sich in der nordwestlichen Ecke des Badener Bäderquartiers im Areal zwischen dem heutigen Thermalbad und der Tiefgarage.
Sein Name und die Lage anscheinend etwas abseits des Herzens des Bäderquartiers trügen jedoch: bis zu Beginn des 19. Jh. war der Hinterhof das erste Haus am Platz. Hier stiegen gekrönte Häupter, aber auch allerlei andere illustre Gäste ab.
Mehr: Der Hinterhof – einst das erste Haus am Platz
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Plan des Bäderquartiers mit dem Hinterhof (rot; Abb. aus Münzel 1946.)
Der Beginn liegt im Dunkeln
Seit wann die Thermalquellen von Baden durch die Menschen genutzt wurden, ist nicht bekannt. Es ist aber durchaus anzunehmen, dass die warmen, bei kaltem Wetter dampfenden und immer stark nach Schwefel riechenden Quellen schon früh die Neugier und das Interesse der in der Gegend lebenden Menschen weckten und rege besucht wurden.
Mehr:
Urgeschichte: Der Beginn liegt im Dunkeln
Baden in der Römerzeit
Etwa zur gleichen Zeit, als sich das Militär in Vindonissa installierte, entstand auch in Baden eine kleinstädtische Siedlung. Im Limmatknie wurden die Quellen gefasst und erste Thermen errichtet. Wahrscheinlich unterstützten der römische Staat oder das Militär den Bau der Siedlung und der Thermen massgeblich.
Der Name der Siedlung war Aquae Helveticae: Wasser oder Quellen Helvetiens. Soldaten und Offiziere der in Vindonissa stationierten Legionen fanden hier Erholung und trugen zum Wachstum und zum zunehmenden Wohlstand des Ortes bei. Aber auch zahlreiche andere Besucher aus Nah und Fern besuchten die Thermen von Aquae Helveticae.
Mehr:
Baden in der Römerzeit: Das antike Aquae Helveticae
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Freilegung der Apsis eines römischen Badebeckens 1967/68. Die Mauerreste geben einen
Eindruck von der Grösse und Monumentalität der römischen Thermen.
Foto: Kantonsarchäologie Aargau.
Römische Badekultur
Thermen, namentlich in einem Heilbad wie Baden/Aquae Helveticae waren oft monumentale, luxuriös mit Mosaik- und Marmorböden und Malereien ausgestattete Bauten.
Gerade öffentliche Thermen waren immer auch Prestigebauten, für deren Bau spezialisierte Architekten und Bauleute aus dem ganzen römischen Reich beigezogen wurden.
Öffentliche Bäder wurden vom römischen Staat, dem lokalen Gemeinwesen, aber auch von privaten Mäzenen oder dem Kaiser persönlich gestiftet und errichtet. Bekannt sind beispielsweise die monumentalen, im Auftrag von Kaiser Caracalla erbauten Thermen in Rom.
Mehr: Baden in der Römerzeit - Römische Badekultur
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Rekonstruktion der römischen Heilthermen in
Badenweiler (Baden-Württemberg)
Bild: Abb. aus Meinrad N. Filgis u.a., Das römische Badenweiler. Stuttgart 2002 (Führer zu den archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Bd. 22). Zeichnung Markus Schaub (Augst).
Die Bäder zwischen Antike und Mittelalter
In den Bädern von Baden fehlen bislang archäologische Funde aus der Zeit zwischen Antike und Mittelalter.
Ein wenig Licht ins Dunkel bringen neue Funde: 2008/2009 wurden bei den Ausgrabungen neben dem Café "Schief" in Ennetbaden drei Gräber aus dem 7. Jh. n. Chr. entdeckt. Diese Gräber belegen, dass das Limmatknie und die Umgebung der Quellen damals bewohnt und begangen war.
Wurden hier – vielleicht symbolhaft am andern Ufer der Limmat – Menschen begraben, die auch in den Bädern verkehrten?
Mehr: Die Bäder zwischen Antike und Mittelalter
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Ennetbaden-Grendelstrasse. Frühmittelalterliches Frauengrab aus dem 7. Jh. n. Chr.
Die Bestattete trug ihren Schmuck, bestehend aus einem Paar bronzenen Ohrringen und
einer Kette aus Glasperlen.
Foto: Kantonsarchäologie Aargau.
Badekultur und Badekuren im Wandel der Zeit
In der römischen Antike hatte das Bad eine grosse gesellschaftliche Bedeutung. In den Thermen spielte sich ein wichtiger Teil des öffentlichen, aber auch des privaten und religiösen Lebens ab.
In grossen Bassins mit Wasser unterschiedlicher Temperatur konnte gebadet, in besonderen Räumen ein Dampfbad genossen werden. Dazu ergänzten Massagen, Ruheräume aber auch die Möglichkeit, sich sportlich zu ertüchtigen, das Angebot. In den Heilthermen wurden auch medizinische Anwendungen und Therapien durchgeführt.
Die römische Badekultur blieb während Jahrhunderten das Mass aller Dinge und erlebt heute mit dem vielgestaltigen Wellnessboom wieder eine Renaissance.
Mehr: Badekultur und Badekuren im Wandel der Zeit
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Einzelpiszine im Hotel "Bären" zu Beginn des 20. Jh. Die Zufuhr von frischem
Quellwasser erfolgte über den rechts erkennbaren, hölzernen Hahn.
(Foto aus dem Nachlass der Familie Gugolz, Stadtarchiv Baden)
Badekultur und Religion
Wasser ist die Grundlage allen Lebens: Lebensspender und Heilmittel. Wohl schon seit je her wurden deshalb an Quellen Wassergottheiten verehrt, Fruchtbarkeitsrituale vollzogen und Opfergaben dargebracht.
Ganz besondere Bedeutung kommt dabei Heil- und Thermalquellen zu, die aufgrund ihrer scheinbar magischen Eigenschaften auch stets spezielle Verehrung erfuhren. Bereits aus der Stein- und Bronzezeit sind denn auch aus verschiedenen Heil- und Thermalquellen Funde von als zweifellos als Opfergaben niedergelegten Gegenständen bekannt.
Als Dank oder zur Erfüllung eines Wunsches wurden den Göttern so Opfer dargebracht – ganz ähnlich wie Touristen noch heute Münzen beispielsweise in die Fontana di Trevi in Rom werfen.
Mehr: Badekultur und Religion
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Öffentliche und private Bäder
Nicht alle Badegasthöfe und Gasthäuser in Baden besassen eigene Quellen oder hatten Anteile am Quellwasser.
Die Gäste dieser Badegasthäuser benutzten ebenso wie die Laufkundschaft die beiden öffentlichen Bäder: das St. Verenabad und das Freibad. Vor dem Eingang des heutigen "Verenahofs" befand sich das St. Verenabad. Die gleichnamige Quelle ergoss sich durch eine Art steinernen Gullydeckel direkt in das Bassin.
Das St. Verenabad war allen Badegästen zugänglich, in der Neuzeit war es vor allem bedürftigen Badegästen vorbehalten. Der St. Verenaquelle wird insbesondere eine Heilwirkung bei weiblicher Unfruchtbarkeit nachgesagt und entsprechend beliebt war das Bad bei weiblichen Gästen.
Mehr: Öffentliche und private Bäder
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Darstellung des Kurplatzes um 1800. Im Vordergrund das St. Verenabad mit dem Haus des
Badewärters und der auffälligen „Tröpfchenmaschine“ (einer Art Dusche). Im Hintergrund das
Freibad.
(Aquatinta F. Hegi)
Übrigens:
Die archäologische Seite des Verenahofs informiert Sie laufend über die neusten Funde - nicht verpassen!